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Baumeister der Bodenfruchtbarkeit

Nützliche Helfer in Feld und Acker: Regenwürmer.

Bauern, Landschaft, Ökologie

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Die unscheinbaren Ringelwürmer sind die Superstars im Boden: Regenwürmer fressen Pflanzenreste wie Bodenpartikel und verwandeln sie in wertvollen Humus. Zum Tag des Regenwurms würdigen wir einen der wichtigsten Mitarbeiter der Bauern.

Die Leistungen, die der Regenwurm für die Landwirtschaft vollbringt, sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Der Regenwurm frisst Pflanzenteile und scheidet sie als nährstoffreichen Kot wieder aus. Pro Tag vertilgt der Regenwurm etwa die Hälfte seines eigenen Gewichts in Form von Pflanzen. Dabei transportiert er organisches Material von der Erdoberfläche in den Boden und bringt so Nährstoffe zu den Pflanzenwurzeln. Der Regenwurm gräbt Gänge in den Boden und belüftet ihn dadurch. Die Gänge bilden auch feine Kapillare, durch die Wasser fließen kann. So kann der Boden Wasser besser speichern.

Für Landwirt Johannes Schöll aus Frankenhardt ist das natürlich nichts Neues. Der Agrarwissenschaftler bewirtschaftet den Demeter-Familienbetrieb mit 20 Mutterkühen und deren Nachwuchs, drei Schwäbisch-Hällischen Muttersauen und rund 40 Hühnern. Die Hauptrolle auf dem Hof spielen freilich nicht die Tiere, sondern die Ackerpflanzen. Johannes Schöll baut nämlich auf 25 Hektar so genanntes Urgetreide an – Dinkel, Emmer, Einkorn, Hafer und Roggen. Aus dem eigenen Mehl backen die Schölls in der hofeigenen Backstube köstliche Brote, die sie auf Märkten und im Hofladen verkaufen.

„Ackerbau ist Eingriff in die Natur, daher habe ich auch eine Verantwortung“

Johannes Schöll, Demeter-Landwirt

„Ackerbau ist Eingriff in die Natur“, sagt der Demeter-Landwirt, „daher habe ich auch eine Verantwortung.“ Pflanzenschutzmittel sind auf dem Buchenhof ohnehin tabu. Auch beim Säen schont Schöll seine tierischen Mitarbeiter im Boden. „Pflügen ist schlecht für den Regenwurm, zerstört die Gänge und befördert das Material, das er sich an der Oberfläche holen will, nach unten“, erklärt er. Statt nur zu pflügen und zu grubbern setzt Schöll deshalb auch auf die Direktsaat, ohne den Boden zuvor bearbeitet zu haben. Die so genannte organische Bodensubstanz – etwa Stroh und andere Pflanzenreste – bleibt auf dem Acker liegen und sorgt für ordentlich Regenwurmfutter.

Die Flächen des Buchenhofs – neben den Ackerflächen 25 Hektar Grünland und zehn Hektar Forst – sind nicht groß und liegen zudem weit verstreut. „Diese kleinstrukturierte Landwirtschaft ist aus ökologischer Sicht wichtig, aus wirtschaftlicher Sicht nicht!“ Als Bio-Bauer setzt Schöll darauf, die Flächen in seinem Sinn zu verbessern: „Landschaft braucht Struktur“, doziert er: „Hecken durchbrechen große Flächen, erhöhen die Artenvielfalt und verhindern Erosion.“ Und Feuchtgebiete nicht trockenlegen. Bei anhaltender Hitze ziehen sich Regenwürmer dorthin zurück.

„Effizienz ist heute der Maßstab, auch in der Landwirtschaft“, sagt Johannes Schöll. „Ich muss mich immer daran erinnern, nicht das zu tun, was einfach ist, es muss auch sinnvoll sein.“ Sinnvoll auch für die nächste Generation. Seit rund 15 Jahren betreibt der zweifache Vater Ackerbau. Den Tipp seines Vaters Walter Schöll, der heute der Brotbäcker in der Familie ist, hat er längst verinnerlicht: „Es ist ein falsches Ziel, jedes kleine Grünzeug im Getreide weg haben zu wollen.“