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Eine (fast) ganz normale Bäuerin

Annegret Pfeiffer mit einem Schwäbisch-Hällischen Ferkel.

Bauern, Schwein

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Rund 36 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten sind Frauen. Zum Internationalen Frauentag am 8. März stellen wir darum eine Landfrau aus Hohenlohe vor: Die Bäuerin Annegret Pfeiffer und ihr Mann Albrecht betreiben einen Hof in Braunsbach-Orlach.

In den Mittelpunkt gestellt zu werden behagt ihr nicht: „Ich bin eine (fast) ganz normale Bäuerin auf einem Hohenloher Bauernhof – so wie es hier (noch!) ganz viele gibt“, beschreibt sie sich selbst. Vielleicht ist auch das typisch Frau? Denn Annegret Pfeiffer muss ihr Licht wirklich nicht unter den Scheffel stellen. Das „Bauernmadle“ aus Nitzenhausen hat Agrarwissenschaft in Hohenheim studiert. Bei einer Hochzeit lernte sie ihren Albrecht kennen, dann verloren sich die beiden aber wieder aus den Augen. Erst 15 Jahre später funkte es dann. Das Landwirtschaftsgen haben sie an ihre Kinder vererbt: Sohn Frieder (*1996) hat den Landwirtschaftstechniker in Triesdorf gemacht, Tochter Line (*1998) studiert wie die Mutter Agrarwissenschaften in Hohenheim.

„Zuerst habe ich meinen Geburtsnamen behalten“, erzählt die zupackende Frau mit dem flotten Kurzhaarschnitt, „aber wenn man in so ein Haus einheiratet…“ 1868 haben die Vorfahren ihres Mannes das stattliche Bauernhaus, ehemals Gasthaus Lamm, am Ortseingang von Orlach gebaut. Im Erdgeschoss ist noch die ehemalige Wirtsstube erhalten, die die Pfeiffers gerne für Feiern nutzen. „Wir werden beide heuer 60, mal schauen, was wir machen und was möglich ist.“ Nebenan lebt Albrecht Pfeiffers Mutter, Annegret und Albrecht haben sich im ersten Stock eingerichtet.

2014 haben die Pfeiffers die ersten Schwäbisch-Hällischen Sauen eingestallt. Heute erzeugen der Landwirtschaftsmeister und seine Frau mit 200 Muttersauen Ferkel der alten Landrasse als Zucht- und Mastschweine. Für ihre Tiere hat sich die Bäuerin auch in Homöopathie fit gemacht. Auf 45 Hektar Fläche baut die Familie Weizen, Gerste, Erbsen, Raps und Mais für ihre Tiere an. Der Betrieb läuft – wie in den meisten Bauersfamilien – auf den Mann. Entscheidungen werden aber gemeinsam getroffen. „Ich gehe ja auch noch ins Geschäft“, sagt Annegret Pfeiffer, die über ihre Berufstätigkeit später Rente beziehen wird. Die Bäuerin berät und unterstützt für den Landeskontrollverband Baden-Württemberg die Mitgliedsbetriebe, unter anderem bei der Düngebedarfsermittlung. „Früher habe ich halbtags gearbeitet“, sagt sie, „aber weil der Betrieb für meinen Mann allein zu viel wurde, habe ich auf 30 Prozent reduziert.“

„Es ist toll, mit Tieren zu arbeiten“

Annegret Pfeiffer, Landwirtin

Die derzeitige Situation auf den Betrieben sei manchmal schon deprimierend, die Landwirtschaft müsse für vieles als Sündenbock herhalten. „Aber es ist toll, mit Tieren zu arbeiten.“ Mit Regional- und Qualitätsprogrammen können ihrer Meinung nach Betriebe ihr Einkommen sichern – wie die Pfeiffers mit ihren Schwäbisch-Hällischen Ferkeln, deren Abnahme durch die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall garantiert ist. „Die Hällischen sind anders im Umgang, mehr wie Hohenloher: stur, aber nett“, sagt Annegret Pfeiffer. Ihre Einschätzung bestätigt sich beim Rundgang durch den Stall: Wenn sie die Türe öffnet, kommen die schwarz-weißen Ferkel zutraulich an die Absperrung getrippelt und lassen sich von der Bäuerin auf den Arm nehmen.

Hat eine Frau mit so vielen Aufgaben – Annegret Pfeiffer ist, was sie beim Gespräch in der gemütlichen Wohnküche nicht verrät, auch Gemeinderätin in Braunsbach – überhaupt noch Zeit für Hobbys? „Klar, ich fahre wie Albrecht gerne Motorrad.“ Und Musik ist den beiden wichtig. „Guns n‘ Roses mögen wir gerne.“ Kein Zweifel: Annegret Pfeiffer ist wirklich (fast) eine ganz normale Bäuerin.