Sintha Preuß

Tierische Helfer auf dem Hof

Sintha Preuß stellt eine Zuchtsau auf der Schau beim Hoffest vor
Ort

Weissenhof (Kreis Heilbronn) g.g.A. - geografisch geschützte Angabe

Tiere

2 Schwäbisch-Hällische Herdbuchsauen
13 Rinder der Rasse Coburger Fuchs
2 Rinder der Rasse Original Braunvieh

Es müssen nicht unbedingt Delfine sein: Die Agraringenieurin Sintha Preuß setzt im Klinikum am Weissenhof bei Heilbronn unter anderem auf schweinische Mitarbeiterinnen in der Arbeitstherapie mit psychisch kranken Menschen.

Vor sechs Jahren haben Preuß und ihre Kollegen den idyllisch gelegenen, über 100 Jahre alten Bauernhof auf dem weitläufigen Gelände am Fuße der Weibertreu bei Weinsberg bezogen. Schon zu Zeiten der Königlichen Heilanstalt war das Anwesen landwirtschaftlich genutzt worden. „Wir gehen also praktisch zurück zu den Anfängen.“ Im Klinikum in Wiesloch hatte man gute Erfahrungen mit dieser Form der Therapie gemacht, daran wollte der Weissenhof anknüpfen. In Freiburg hat sich die Agraringenieurin für ihren ungewöhnlichen Job fortgebildet.

„Uns war wichtig, nur Tiere aus der Liste der bedrohten Haustierrassen auszuwählen“, erzählt die sportliche Frau. Die Szene ist Idylle pur: Ringsum blüht und grünt es, auf der Weide grasen Original Braunvieh und Coburger Fuchsschafe, im Gehege picken Hühner der Rasse Vorwerk. Nebenan dösen Schwäbisch-Hällische Jungsauen auf Stroh. Auf dem Weissenhof wird nämlich auch gezüchtet. Alljährlich stellt die Agraringenieurin Zuchtsauen zur Bewertung auf dem Hoffest in Wolpertshausen vor.

Eine hübsche Sau kommt neugierig herbei und lässt sich von Sintha Preuß gerne den Rücken kraulen. „Die Schweine sind schon die Stars bei den Patienten, da tut sich ja auch am meisten.“ Warum hat sie sich für die Schwäbisch-Hällischen entschieden? Die Agraringenieurin muss lachen: „Schweine sind ohnehin tolle Tiere, und diese alte Landrasse mag ich besonders. Wenn so ein Wurf schwarzweißer Ferkel herumtollt, geht dir doch das Herz auf!“

„Das hier ist kein Streichelzoo, wir wollen den Patienten den natürlichen Kreislauf nahebringen“

Sintha Preuß, Agraringenieurin

Acht Patienten sind vormittags, drei am Nachmittag unter Anleitung auf dem Bauernhof beschäftigt. Tiere füttern, Stall ausmisten und Schafe scheren gehören zum Alltag. Den therapeutischen Ansatz ihrer Arbeit bringt Preuß mit einfachen Worten und spürbarem Gefühl für ihre Schutzbefohlenen auf den Punkt: „Wenn man immer derjenige ist, der Hilfe bekommt, tut es gut, mal derjenige zu sein, der helfen kann.“ Und noch ein Faktor wirke heilend: „Tiere bewerten die Patienten nicht.“

Mehr als 100 Jahre alt: Der schöne Hof am Fuß der Weibertreu bei Weinsberg.

Dabei hätten die wenigsten, die auf dem Hof arbeiten, noch einen Bezug zur Landwirtschaft: „Denn das hier ist kein Streichelzoo, wir wollen den Patienten den natürlichen Kreislauf nahebringen.“ Dazu gehören Ausmisten, Füttern und natürlich auch Streicheln. Zum natürlichen Kreislauf auf einem Bauernhof gehört aber auch das Schlachten, betont Sintha Preuß. Dass eine Patientin, die mit den Schwäbisch-Hällischen gearbeitet hat, das Spanferkel nicht essen wollte, konnte sie noch nachvollziehen. „Dass sie aber stattdessen fürs Grillfest ein Schnitzel aus dem Supermarkt gekauft hat, das kapiere ich nicht“, die Agraringenieurin schüttelt den Kopf. „Essen, um zu erhalten“ – das Slow-Food-Motto hat für sie Gültigkeit.

Trotz der Konfrontation mit schwierigen Schicksalen: Ihr Job macht Sintha Preuß viel Spaß. Sie hat gelernt: „Psychische Krankheiten machen vor niemandem Halt.“ Da kann es trösten, ein hübsches warmes Ferkel im Arm zu halten.