Bernd Henn

Landwirt und Entwicklungshelfer

Bernd Henn auf einem alten Traktor.
Ort

Nassau (Main-Tauber-Kreis) g.g.A. - geografisch geschützte Angabe

Tiere

Rund 90 Schwäbisch-Hällische Mastschweine
18 Mastbullen

In siebter Generation bewirtschaftet Bernd Henn mit Vater Otto den Bauernhof der Familie im 330-Einwohner-Dorf Nassau. „Rafael wird hoffentlich die achte Generation sein, die wenigstens auf dem Hof lebt“, sagt der Bauer und zaust dem Dreijährigen liebevoll den Kopf.

Bernd Henn ist kein typischer Landwirt. Rund 120 Tage im Jahr lebt der 42-Jährige nämlich fern der Heimat und ist nur über Skype mit der Familie verbunden. „Ich berate die Landwirtschaft östlich der deutschen Grenze“, sagt der Agraringenieur, „den Hof und die Entwicklungshilfe kann ich gut vereinbaren.“ Das funktioniert vor allem dank Vater Otto (71), der in dieser Zeit auf sich alleine gestellt ist und den Hof sowie die Tiere versorgt. „In einem Familienbetrieb sind Opa und Oma die billigsten Arbeiter“, sagt der lachend, „aber wir machen es ja nicht für irgendjemanden, sondern für die nächste Generation.“

Rund 90 Schwäbisch-Hällische Schweine mästen die Henns in ihren Ställen. „Mitten im Ort können wir leider keinen Auslauf machen“, bedauert Bernd Henn. Die weit geöffneten Fenster und Türen sorgen dennoch für ein gutes Stallklima und sondern auch praktisch keine Gerüche ab. Wie das? „Wir versprühen feine Mikroorganismen gegen den Geruch und die Larven von Fliegen“, erklärt der Landwirt, „für die Tiere ist das zudem eine willkommene Dusche.“ Die Umstellung auf die alte Landrasse und die dafür notwendigen Umbauten haben sich für ihn gelohnt: „Schwäbisch-Hällische sind auch ökonomisch eine sinnvolle Alternative.“

„Ohne unsere Feriengäste gäbe es die Landwirtschaft nicht mehr“

Bernd Henn, Agraringenieur

So untypisch wie der Landwirt selbst ist auch der Hennsche Hof. Zweites Standbein neben der Landwirtschaft sind nämlich seit Ende der 1980er Jahre Urlauber vor allem aus dem Raum Frankfurt und dem Ruhrgebiet, die die Stille in der ländlichen Umgebung schätzen. Der anerkannte Kneipp-Gesundheitshof beherbergt in vier Ferienwohnungen zehn Gäste, die sich in den Sommermonaten in einem großen Swimmingpool erfrischen und vor allem die vielen Tiere erleben können. Neben Schweinen und Rindern existiert auf dem Hennschen Hof ein richtiger „Streichelzoo“ (Bernd Henn) mit zwei Ponys und einem Westernpferd, Ziegen, Hühnern, Kaninchen und Katzen.

Otto und Bernd Henn stallen Schwäbisch-Hällische Schweine um.

Zu Jahresbeginn hat Mutter Elsbeth, 70, die Verantwortung für die Ferienwohnungen auf dem Bauernhof an Schwiegertochter Andreea, 37, übergeben. Die studierte Agrarmanagerin ist gebürtige Rumänin und auf einem kleinen Hof bei den Großeltern aufgewachsen. Sie fühlt sich nach eigener Aussage im Hohenlohischen sehr wohl. „Ich möchte das Leben hier nicht missen“, sagt sie, „und ich bin froh, dass die Kinder hier aufwachsen dürfen.“ Zur Familie gehört noch Nesthäkchen Sara.

Junior Rafael mit der Heugabel im Pferdestall.

Der Strukturwandel hat auch Nassau nicht verschont. Früher gab’s in dem Dorf noch 50 Vollerwerbs- und einige Nebenerwerbslandwirte, fünf sind übrig geblieben. Man müsse eben nach Alternativen suchen, sagt Bernd Henn. Mit den Schwäbisch-Hällischen und den Bauernhofurlaubern hat die Familie diese gefunden. „Ohne unsere Feriengäste gäbe es die Landwirtschaft nicht mehr, in der Kombination ist sie ertragreich.“