Hohenloher Leben

Bauern nutzen ihre Chancen

Dreharbeiten Bauernportraits

Bauern, Schwein

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Hohenloher Bauern sind pfiffig. Die Schwäbisch-Hällischen sichern ihre Existenz. Zudem nutzen sie andere Chancen, das Einkommen aufzubessern. In kleinen Filmporträts stellen die Berliner Carsten und Jakob Krüger unsere Bauern, ihre Familien und ihre Ideen vor.

„Lebensmittel sind zu billig“, darüber kann sich Uwe Strecker, 58, Seniorchef auf dem Hof in Untereppach, richtig aufregen. Die Entfremdung der Verbraucher von der Landwirtschaft macht ihm wie vielen seiner Kollegen zu schaffen. Mit einer ungewöhnlichen Idee setzt Sohn Michael (28) dagegen auf Qualität – und die kommt bei den Kunden offensichtlich gut an. „Wir haben mehr Wertschöpfung, wenn wir direkt an die Verbraucher gehen“, sagt der junge Landwirt.

Strecker mit Hühnermobil

Der Hofbesitzer hat eine Nische gefunden und zwei Hühnermobile angeschafft, die dank einer Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugen. Am Morgen öffnet und am Abend schließt sich die Klappe vollautomatisch. Täglich schaut Michael Strecker, begleitet von Bruder Martin oder Freundin Mareike nach dem Rechten. Michael füttert die Tiere, dann holen sie die Eier aus den Nestern, die später – neben eigenen Kartoffeln und Dosenwurst – in Streckers Hoflädle an die Kundschaft gebracht werden. Das Motto: Wer weiter denkt, kauft näher ein.

Regionale Kreisläufe bedienen die Streckers auch mit Schwäbisch-Hällischem Qualitätsschweinefleisch, das im Maststall der Familie dorfauswärts erzeugt wird. „Wir sind nicht bio, aber nah dran“, sagt Michael Strecker. Der Stall ist ganz aufs Tierwohl ausgerichtet. Stroheinstreu sorgt fürs Wohlbefinden ebenso wie der große Auslauf, in dem die Schweine schattige Plätze für ein Nickerchen finden. Das Filmteam begleitet Michaels Eltern Bärbel (54) und Uwe Strecker beim Misten und Füttern. Die beiden arbeiten zügig und Hand in Hand. Es ist offensichtlich: Ohne die Mithilfe der Familie wäre die Arbeit nicht zu stemmen.

Bauer Henn mit Schwäbisch-Hällsichen Landschweinen

Das trifft auch auf die Bauersfamilie Henn zu, die ihren Hof in dem 300-Einwohner-Dorf Nassau betreibt. Bernd Henn, 42, und sein Vater Otto, 71, sind für die beiden Ställe zuständig, in denen die Henns Schwäbisch-Hällische Schweine mästen. Mitten im Dorf ist ein Auslauf für die Tiere nicht möglich, bedauert Bernd Henn. Die weit geöffneten Fenster und Türen sorgen jedoch dafür, dass das Stallklima gut ist. Es riecht auch gar nicht. „Wir versprühen feine Mikroorganismen gegen den Geruch und die Larven von Fliegen“, erzählt der studierte Agraringenieur. Rund 100 Tage im Jahr ist er als Entwicklungshelfer in Osteuropa unterwegs, in dieser Zeit ist Vater Otto auf sich alleine gestellt.

„In einem Familienbetrieb sind Opa und Oma die billigsten Arbeiter“

Otto Henn, Landwirt

Zweites Standbein der Familie sind Urlauber, die die Stille in der ländlichen Umgebung schätzen. „Ohne unsere Feriengäste gäbe es den Hof nicht mehr“, sagt Bernd Henn. Hier begegnen Familien mit Kindern aus dem Ruhrgebiet und dem Raum Frankfurt Pferden, Schweinen, Bullen, Ziegen und vielen Tieren mehr. Das kommt an, sagt Elsbeth Henn, 69, die für die vier Ferienwohnungen zuständig ist: „Manche Gäste waren schon 30 Mal bei uns.“

Schwiegertochter Andrea, 37, hat Agrarmanagement studiert. Derzeit kümmert sie sich vor allem um die neun Monate alte Sara und Rafael, 3, der ein Herz und eine Seele mit seinem Großvater ist. „In einem Familienbetrieb sind Opa und Oma die billigsten Arbeiter“, sagt Otto Henn und lacht. Für ihn ist das Engagement selbstverständlich: „Wir machen das ja nicht für irgendjemanden, sondern für die nächste Generation.“

Die Filmporträts unserer beiden Landwirte finden Sie im Übrigen demnächst auf unserer Webseite. Schauen Sie wieder vorbei!

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