Hohenloher Leben

Beschäftigung für Schweine gesucht

Bettina Zwicker beobachtet mit der Kamera die Schwäbisch-Hällischen Mastschweine auf der Weide.

Gesetze, Richtlinien, Schwein

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Wie lässt sich das Wohlergehen von Mastschweinen verbessern? Die Frage beschäftigt Bettina Zwicker seit Jahren. Vorbildlich sei die Weidehaltung der Schwäbisch-Hällischen Schweine: „Hier können die Tiere ihr arttypisches Verhalten ausleben.“

Bettina Zwicker ist Biologin. In ihrer Doktorarbeit an der Universität Bern für das Schweizer Bundesamt für Veterinärwesen hat sie sich mit dem Thema „Effects of different enrichment materials on foraging behaviour in fattening pigs in relation to feeding regime“ beschäftigt. Auf gut Deutsch: Welches Material beschäftigt Mastschweine so, dass sie kein unerwünschtes, sprich abnormales Verhalten zeigen?

Unter abnormalem Verhalten verstehen Fachleute etwa das gefürchtete Schwanzbeißen oder das Randalieren im Stall. Schweine, muss man wissen, sind intelligente Tiere, denen es schnell langweilig wird. Aus diesem Grund ist Beschäftigungsmaterial auch in deutschen Mastställen mittlerweile Vorschrift – vorausgesetzt, dass es nicht gesundheitsgefährdend ist, bewegt und verändert werden kann.

Dreieinhalb Jahre lang hat die Bauerstochter aus der Eifel in einem Schweizer Versuchsstall Schweine dabei beobachtet, wie sie auf die unterschiedlichen Beschäftigungsmaterialien reagieren. Während der sieben Stunden, in denen sich die Schweine besonders viel beschäftigt haben, hielt sie deren Verhalten auf Video fest. Zur Wahl standen den Schweinen acht verschiedene, natürliche und meist auf Stroh basierende Angebote: lange Halme, aus Stroh gepresste Würfel und ähnliches.

„Ein Schwein ohne Stroh ist arm dran“

Bettina Zwicker, promovierte Biologin

„Dann habe ich ausgewertet, wie oft sie sich mit den unterschiedlichen Angeboten beschäftigen“, erklärt die Biologin. Und wie sah das Ergebnis aus? .„Die Schweine konnten alle Materialien kauen, benagen und fressen“, fasst Bettina Zwicker für uns die Arbeit von Jahren ganz kurz und wenig wissenschaftlich zusammen, „und bis auf eines lagen fast alle nach einiger Zeit in etwa auf dem gleichen Level.“ Besonders interessant für die Tiere, so fügt sie hinzu, war aber Spielzeug, mit dem sie sich gemeinsam beschäftigen können. Schweine schlafen nicht nur gerne in der Gruppe, sie tun auch gerne etwas gemeinsam.

Was lässt sich nun aus den Erkenntnissen für die Praxis übernehmen? Bettina Zwickers Fazit: „Ein Schwein ohne Stroh ist arm dran.“ Stroh sei gut fürs Mikroklima, diene der Beschäftigung und fülle zudem den Magen: „Das ist top für die Tiere.“ Mit Grausen erinnert sie sich an eine Beobachtung, als ein Schwein einen einzelnen verbliebenen Strohhalm durch die Bucht schob: „Das tut weh, so etwas zu sehen.“

Die Richtlinien der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft für die Mast der Schwäbisch-Hällischen beurteilt die 40-Jährige daher überaus positiv: „Das Bedürfnis der Schweine nach Beschäftigung wird durch Stroh im Stall befriedigt, sie haben mehr Platz, wenn‘s darauf ankommt, keine Vollspaltenböden und wenn möglich einen Auslauf.“

Nach Feierabend hält sich die Biologin, die derzeit ein Praktikum bei den Hohenloher Bauern macht, gerne auf den beiden Schweineweiden bei Wolpertshausen auf und beobachtet mit der Kamera die Schwäbisch-Hällischen auf der Weide. Sie bekennt sich zu ihrem Idealismus: „Ich möchte daran mitarbeiten, dass die Landwirtschaft vorangebracht wird, die die Umwelt, die Tiere und alle Menschen ernährt und schützt.“

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