Hohenloher Leben

Ein Bauernjahr (8): Ernüchternde Erntebilanz

Ackerbau, Bauern, Schwein, Tiere

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Es ist ungewöhnlich still in diesen Tagen auf dem Hof in Herbertshausen. Markus Ehrmann und sein Team haben die Ernte eingebracht, nur noch der Mais steht auf den Feldern. In der Serie „Ein Bauernjahr“ gibt unser Landwirt ein Jahr lang Einblicke in sein Leben.

Minus 15,8 Prozent pro Hektar bei Getreide (ohne Körnermais) im Vergleich zum Vorjahr, meldete kürzlich das Bundeslandwirtschaftsministerium für Deutschland. Auch in Hohenlohe fällt die Erntebilanz ernüchternd aus. „Wir haben zehn bis 40 Prozent weniger Ertrag“, stellt Markus Ehrmann fest. Nach staatlichen Hilfen ruft der Landwirt aber dennoch nicht. Er plädiert stattdessen dafür, dass die Bauern steuerfrei Rücklagen bilden und – wie in anderen Ländern üblich – eine so genannte Multigefahrenversicherung abschließen können. „Das wäre richtig und wichtig“, sagt er, „wir arbeiten nun mal mit der Natur.“ Und die kann launisch sein.

Mit dem Maisacker, der an den Hof grenzt, hat es die Natur noch einigermaßen gut gemeint. Markus Ehrmann entblättert einen Kolben und zeigt: Der Mais hat immerhin Kolben gebildet, aber die Körner sind nicht so zahlreich wie in einem normalen Jahr.
„Der Boden hat eine hohe nutzbare Feldkapazität“, doziert der promovierte Landwirt. Damit ist gemeint, wie viel Wasser der Boden halten und wieder an die Pflanzen abgeben kann. „In diesem Jahr kommt es eben sehr auf den Boden an“, sagt Ehrmann, „Betriebe mit sandigem Boden haben ein Problem.“

Landwirt Markus Ehrmann im Maisfeld.

Auf den Getreidefeldern wurden nach der Ernte die verbliebenen Stoppeln bearbeitet. „Damit unterbricht man die Kapillarbildung“, also das Verdunsten des Wassers. Jetzt stünde die Saat der Zwischenfrucht an, die später in den Boden eingearbeitet wird. Kleearten und Phacelia – auch Bienenweide oder Büschelblume genannt – fördern die Humusbildung, aktivieren das Bodenleben und brechen die Bodenverdichtung, erklärt der Landwirt. „Aber dafür ist es jetzt zu trocken.“ Zu Demonstrationszwecken fährt er ein Stück mit der Kreiselegge über ein abgeerntetes Feld. „Die macht den Boden fein“, sagt er, „aber jetzt staubt es nur fürchterlich.“ Der wertvolle Boden würde vom Wind abgetrieben.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen leben wir hier trotzdem wie Gott in Frankreich“

Markus Ehrmann, Landwirt

In normalen Jahren erntet Markus Ehrmann genug Getreide, um den Großteil des Futters für seine Schwäbisch-Hällischen zu erzeugen. Was also sind die Folgen der unterdurchschnittlichen Ernte? „Entweder ich reduziere die Zahl meiner Schwäbisch-Hällischen, oder ich muss noch mehr zukaufen“, sagt er knapp.

Großmutter und Enkelin ernten im Bauerngarten Tomaten.

Den Tomaten im Gewächshaus des Bauerngartens – das Reich von Markus Ehrmanns Mutter – hat das anhaltend warme Wetter dieses Sommers gutgetan. Die Pflanzen hängen voll. Erika Ehrmann erntet einige rote Früchte mit Enkelin Karlotta, deren kleinen Hände die großen Tomaten kaum halten können. Zufrieden beobachtet Markus Ehrmann die beiden und stellt fest: „Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen leben wir hier trotzdem wie Gott in Frankreich.“ Viele Verbraucher würden nicht einmal merken, dass die Landwirte weniger geerntet haben. „Für mich selbst gilt: So lange wir in Frieden und Freiheit leben können, ist eine schlechte Ernte zweitrangig.“

Im kommenden Monat besuchen wir unseren Landwirt wieder. Schauen Sie rein!

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