Hohenloher Leben

Ein Bauernjahr (9): Auf der Muswiese

Schwäbisch-Hällische Schweine sind auf der Landwirtschaftsschau der Muswiese ausgestellt.

Bauern, Schwein, Tiere

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Ein Bauernjahr (9): Auf der Muswiese

Was die Muswiese so außergewöhnlich macht? Es ist wohl die ungewöhnliche Mischung aus Brauchtum und Moderne. Der Krämermarkt (280 Stände), die Landwirtschaftsschau (140 Beschicker), der Vergnügungspark und die Gastronomie ziehen Jahr für Jahr rund 250 000 Besucher an. Zudem haben auf der Muswiese fast alle Bauern des Weilers Musdorf Schankrecht und bewirten die Gäste mit Gerichten aus eigener Schlachtung. Ganz Hohenlohe trifft sich in den Gassen beim Bummeln, auf dem Festplatz und in den Bauernwirtschaften.

Landwirt Markus Ehrmann bringt die Tiere aufs Muswiesengelände.

Am frühen Samstagmorgen – das Fest beginnt immer am ersten Oktoberwochenende – hat Markus Ehrmann von seinem Hof in Herbertshausen vier Schwäbisch-Hällische Schweine auf die Muswiese gebracht. Die rund 14 Wochen alten, 30 bis 35 Kilogramm schweren Tiere sind am Stand der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall in einer Bucht ausgestellt und die Attraktion vor allem für kleine Besucher.

In dem herbstlich geschmückten Zelt der Bäuerlichen treffen wir Markus Ehrmann und seinen Vater Helmut. Die Stimmung ist prächtig. „Auf der Muswiese trifft man Leute, die man das ganze Jahr über nicht sieht“, sagt Markus zufrieden und nimmt einen Schluck Bier. Vater Helmut ergänzt: „Das ist wie ein Familientreffen, die ganze Verwandtschaft ist da.“ Immer wieder klingelt Markus‘ Handy, Studienkollegen wollen sich mit ihm treffen. Man fachsimpelt, tauscht Erinnerungen und Neuigkeiten aus.

„Erst wenn Rüben, Kartoffeln und Mais geerntet waren, durfte man auf die Muswiese“

Martin Schneider, Landwirtschaftsmeister vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst

Der Zeitpunkt des großen Bauernfestes ist natürlich auf die Jahreszeit abgestimmt. „Erst wenn Futterrüben, Kartoffeln und Silomais geerntet waren, durfte man auf die Muswiese“, erklärt Martin Schneider vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst der Bäuerlichen die Tradition. Auch Markus Ehrmann hat auf seinen Feldern bereits Getreide und Wildkräuter gesät. Ob was wächst? Der trockene Sommer und der trockene Herbst sind immer ein Thema unter Landwirten.

Familientreffen: Florian und Markus Ehrmann im Zelt der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.

Florian, der Sohn von Markus‘ Vetter Günter und Hofnachfolger, hat sich dazugesetzt. „Der Raps geht da auf, wo er wollte“, der junge Bauer zuckt mit den Achseln. Der morgendliche Tau tut gut, reicht aber nicht aus, sind sich die Landwirte einig. Auch Markus‘ Studienfreund Stefan, der auf seinem Hof im Fränkischen Kühe hält und eine Biogasanlage betreibt. Er scherzt: „Hast du Schweine, hast du Scheine, hast du Kühe, hast du Mühe.“ Zu den Schweinehaltern will er freilich nicht wechseln, lachend winkt er ab.

Auf den Parkplätzen rund ums Muswiesengelände staubt’s gewaltig.

Wie bereits den ganzen Sommer über ist es auch an diesen Tagen ungewöhnlich warm und trocken. Die Fahrzeuge rund um das große Gelände wirbeln riesige Staubwolken auf. „Eigentlich ist heuer schlechtes Muswiesenwetter“, erklärt Markus Ehrmann, „man könnte zuhause was arbeiten.“ Zu tun gäbe es genug, die junge Familie baut derzeit ihre Wohnung im Obergeschoss des Familienhauses um. Doch das muss erst mal warten. Schließlich ist nur einmal im Jahr Muswiese.

Im kommenden Monat besuchen wir unseren Landwirt wieder. Schauen Sie rein!

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