Hohenloher Leben

Heuernte in Hohenlohe

: Schwäbisch-Hällische Ferkel auf dem Bio-Hof der Familie Löblein bekommen auch frischen Klee zum Fressen.

Bauern, Ökologie, Schwein

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Hochsaison für die Landwirte in Hohenlohe: Die Heuernte ist in vollem Gang. Wir sind auf dem Eichhof bei Niederstetten. An diesem Tag steht an einem Steilhang bei Bio-Landwirt Albrecht Löblein die erste Mahd an. Es ist ein besonderes Heu – Septemberheu genannt.

Idylle pur. Hecken und Buschwerk säumen die zwei Hektar große Wiese. Sie gehört wie die meisten Flächen rund um Niederstetten zum Flora-Fauna-Habitat. Das heißt, die Fläche ist von der Europäischen Union als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Da und dort summt eine Hummel, Schmetterlinge tanzen, Vögel zwitschern, die langen Grashalme wiegen sich im Wind. „Die Pflanzen haben jetzt ausgesamt“, erklärt Albrecht Löblein. Die Wiese ist „überständig“, nennt das der Fachmann.

„Ich will das Heu als Kräutermischung für unsere Tiere“

Albrecht Löblein, Bio-Landwirt

Wirtschaftlich lohnt sich der späte Schnittzeitpunkt nicht, doch dem Bio-Landwirt liegt die Artenvielfalt am Herzen, die er erhalten möchte. Tochter Elisa, 21, Studentin Ökologische Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und designierte Hofnachfolgerin, kennt die meisten Pflanzen. Den Klappertopf etwa. Die Pflanzen tragen noch einige gelbe Blüten, an anderen Stellen haben sich bereits Samenstände gebildet. Wir sehen Rot- und Weißklee, Schafgarbe, sogar kleine Erdbeerpflanzen verbergen sich unter den langen Grashalmen.

Elisa Löblein, designierte Hofnachfolgerin, kennt die meisten Pflanzen auf der wilden Wiese.

Umsichtig steuert Elisas Schwester Sophia, 19, gelernte Mechatronikerin, den Unimog mit dem Universalmäher über die steile Wiese. „Jetzt bleibt das Heu, ohne gewendet zu werden, zwei bis drei Tage liegen“, erklärt der Hofbesitzer. „Sonst fallen alle Samen und Blätter ab, und ich will die Kräutermischung für die Tiere erhalten.“ Dann wird das Heu zu großen Schwaden gereiht, anschließend in Quaderballen gepresst und für die Winterfütterung eingelagert. Der Bio-Bauer sagt: „Septemberheu ist für die Pferde auf dem Hof besonders hochwertig, den Schwäbisch-Hällischen Schweinen dient es als Beifutter.“ Der Verdauungstrakt der alten Landrasse kann – im Unterschied zu dem hochgezüchteter Schweine – dieses Raufutter nämlich gut verwerten.

Mit dem Unimog mäht Sophia Löblein das Septemberheu an der Steillage bei Niederstetten.

„Raufutter gehört einfach zum Schweinefutter“, bestätigt Dieter Hofmann, selbst Bio-Bauer, der die Landwirte der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall berät. Vor allem an Zuchtsauen werde es verfüttert. Bauernschläue: Das magere Raufutter erweitert den Magen und so kann die Sau während der Trächtigkeit viel Futter aufnehmen, ohne zu verfetten. Die Ferkel, sagt Hofmann, nutzten die harten Halme eher als Spielzeug.

Zurück auf dem Hof schnappt sich Elisa eine Gabel und transportiert damit einen Haufen frischen Klee in Richtung Ferkelstall. Mit Schwung befördert sie das Grün in die Traufe im Auslauf. Im Nu kommen die schwarzweißen Ferkel aus dem Stall, in den sie sich der Hitze wegen zurückgezogen haben, und futtern los. Klee ist für die Schwäbisch-Hällischen Ferkel offensichtlich ein echter Leckerbissen.

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