Hohenloher Leben

Regionalität punktet beim Tiertransport

Mit dem Transporter werden die Schwäbisch-Hällischen Schweine auch zum Umzug auf den Cannstatter Wasen gebracht.

Gesetze, Richtlinien, Schwein

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Tiertransporte sind bei großer Hitze verboten, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium aus gegebenem Anlass kürzlich betont. Beim Transport der Schwäbisch-Hällischen Schweine zum Erzeugerschlachthof in Schwäbisch Hall gelten ohnehin andere Regeln.

Dehydrierte Schweine, die auf engstem Raum und unter sengender Sonne stunden-, ja tagelang durch die Europa gekarrt werden – diese Bilder schockieren. Angesichts der extremen Hitze der vergangenen Wochen hat die zuständige Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) klargestellt, dass es bei hohen Temperaturen nicht erlaubt sei, Tiere zu verladen und zu transportieren. Und Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat die Behörden angewiesen, dass in diesem Fall keine Tiertransporte mehr abgefertigt werden dürfen. Der Hintergrund: In Deutschland werden deutlich mehr Schweine gemästet als gegessen. Rund 1,8 Millionen Tonnen Schweinefleisch werden jedes Jahr exportiert.

Dieter Küstner zeigt einen der fünf Tiertransportfahrzeuge der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.

Bei den Hohenloher Bauern gelten – zum Glück – andere Regeln. Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch ist bekanntlich als „geschützte geografische Angabe“ eingetragen. Dieses EU-Siegel garantiert, dass die Schweine ausschließlich in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Ansbach, Rems-Murr, Hohenlohe, Ostalb und Main-Tauber gemästet und von dort zum Erzeugerschlachthof nach Schwäbisch Hall transportiert werden. „Die Fahrzeit muss weniger als zwei Stunden betragen“, steht in den Erzeugerrichtlinien. Auch in punkto Transportzeiten wirkt sich die Regionalität positiv aus.

„Zwei Drittel der Schwäbisch-Hällischen werden von den Bauern selbst zum Erzeugerschlachthof gebracht“

Dieter Hofmann, Leiter Landwirtschaftlicher Beratungsdienst Schwäbisch Hall

Dieter Hofmann leitet den Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Schwäbisch Hall. Sein Team betreut die Mitgliedsbetriebe der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und ist auch für die Tiertransporte zuständig. „Zwei Drittel der Schwäbisch-Hällischen Schweine werden von den Landwirten selbst zum Erzeugerschlachthof nach Schwäbisch Hall gebracht“, stellt der Bio-Landwirt klar. Der Umgang mit dem ihnen bekannten Menschen bedeutet weniger Stress für die Tiere.

Mit fünf eigenen Fahrzeugen transportieren die angestellten Fahrer der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft die anderen Mastschweine nach Schwäbisch Hall. „Somit haben wir die Kontrolle, dass die Richtlinien auch eingehalten werden“, sagt Hofmann. Diese lauten: rutschfester Boden, ausreichend Einstreu, Transport in gewohnten Stallgruppen, stressfreier Umgang, Verbot von Elektrotreibern und Schlagstöcken. „Zuwiderhandlung wird von der Schlachthofverwaltung mit Bußgeld belegt“, heißt es in den Richtlinien.

Ein dreitägiger Lehrgang mit abschließender Prüfung im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Triesdorf macht die Fahrer fit. Für Nutztiertransporte ist nämlich ein so genannter Befähigungsnachweis Pflicht. „Das Tierschutzgesetz gilt ja auch beim Transport und muss angewendet werden“, erklärt Berater Dieter Küstner.

Zudem sind die Fahrer bei den Bäuerlichen angewiesen, weniger Tiere als erlaubt zu laden. Bei steigenden Temperaturen sorgt die eingebaute Lüftung des Lkw für Kühlung. Im Fall eines Staus dürfen Tiertransporter generell auf den Standstreifen ausweichen und von der Autobahn abfahren. „Das müssen wir nie“, sagt Dieter Hofmann, „im Sommer verlegen wir die Transporte ohnehin in die Abend- und Nachtstunden.“

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