Hohenloher Leben

Zeitreise ins Jahr 1818

Bauern, Schwein

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Die Besucher im Hohenloher Freilandmuseum staunen: Inmitten der historischen Gebäude tummeln sich Menschen in historischen Kostümen. Sie sind Komparsen bei Dreharbeiten für die historische Dokumentation „Ein Jahr ohne Sommer – 200 Jahre Cannstatter Volksfest“.

Fast fünf Millionen Menschen feiern jährlich auf dem Cannstatter Wasen. Doch nur wenige kennen den Ursprung des Volksfestes, das vor 200 Jahren gegründet wurde. Drei Jahre zuvor, 1815, war der Vulkan Tambora in Indonesien ausgebrochen. Die Auswirkungen der Naturkatastrophe in Mitteleuropa waren gravierend: Der Himmel verdunkelt sich über Jahre, Missernten und Hunger beuteln die verarmte Landbevölkerung. 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. König Wilhelm I. setzte im Jahre 1818 mit der Gründung des Festes ein Zeichen der Hoffnung für seine Untertanen und half vor allem der darniederliegenden Landwirtschaft wieder auf die Beine.

Ohne Wilhelm I. wäre die moderne Landwirtschaft von heute nicht denkbar, und ohne Wilhelm I. gäbe es die Schwäbisch-Hällischen Schweine nicht. Um das Jahr 1820/21 ließ der König nämlich „zur Hebung der Schweinezucht“ erstmals so genannte „Chinesenschweine“ aus England importieren. Die frühreifen Schweine mit starkem Fettansatz wurden mit heimischen domestizierten Wildschweinen, dem so genannten Hällischen Schlag gekreuzt. Das Schwäbisch-Hällische Schwein entstand, wie es noch heute im Schaustall und auf der Weide im Freilandmuseum zu sehen ist.

„Unser König Wilhelm lebe hoch, er lebe hoch, er lebe hoch!“

Bernhard Stegmann, TV-Produzent

Zurück zu den Dreharbeiten. In der Dokumentation soll die Zeit um 1818 in aufwendig inszenierten Spielszenen wieder lebendig werden. Vor einer grünen Leinwand stehen Bäuerinnen in derben Röcken und feine Herren in Samtjacken und mit Zylinder. Die Mitglieder von Trachtenvereinen sind Komparsen, die die Ankunft des Königs erwarten. Bernhard Stegmann gibt den Text vor: „Unser König Wilhelm lebe hoch, er lebe hoch, er lebe hoch!“ Eifrig stimmt die Gruppe in den Ruf ein. „Danke, fertig“, ruft Kamerafrau Melanie Freund von der Hebebühne herab.

Bauern in historischen Gewändern im Freilandmuseum Wackershofen

Ihre Bewährungsprobe hat das Filmteam freilich noch vor sich, denn jetzt geht’s zu den Schwäbisch-Hällischen. Die drei Zuchtsauen fühlen sich von der Crew in ihrem Schläfchen gestört und verziehen sich ans andere Ende der großen Weide. Dem Landwirt und „Schweineflüsterer“ Klaus Dechent, stilecht in Hohenloher Tracht gekleidet, ist es zu verdanken, dass die drei Sauen zuletzt wieder in den provisorischen Pferch marschieren. Jetzt kann die Kamerafrau ihre Arbeit tun – wenn auch unter erschwerten Bedingungen, denn die Schweine kommen ihr recht nahe, weil sie sich für die Kamera interessieren. Sehr zum Vergnügen der Bauern(komparsen), die am Gatter das Geschehen beobachten. Co-Regisseur Stegmann schießt eifrig Fotos: „Das gibt ein wunderbares Making-of.“

Die Dokumentation läuft am 23. September um 20.15 Uhr im SWR Fernsehen und wird während des „Historischen Volksfestes“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz vom 26. September bis 3. Oktober täglich im EM-Kino (Bolzstraße 4, Stuttgarter Innenstadt) gezeigt.

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