Hohenloher Leben

Zu Besuch auf der Schweineweide

In kleinen Grüppchen schwärmen die Schwäbisch-Hällischen Weideschweine zur Futtersuche aus.

Nachhaltigkeit, Ökologie, Schwein

Blog abonnieren

Hier bin ich Schwein, hier darf ich’s sein: Zu Besuch bei den Schwäbisch-Hällischen Schweinen auf der Weide über dem Bühlertal. Seit gut einer Woche leben hier 48 Vertreter der alten Landrasse und haben sich schon gut eingelebt.

Das Bühlertal ist eine Hohenloher Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Der kleine Fluss schlängelt sich durchs schmale Tal, an seinen Seiten erheben sich – immer wieder von Steinriegeln und Büschen durchbrochene – satte Wiesen, die zur Hangkante hin in Wald übergehen. Ohne Beweidung durch Rinder, Schafe und eben auch Schweine würde die alte Kulturlandschaft freilich in Kürze versteppen.

Den Schwäbisch-Hällischen Weideschweinen ist die Schönheit ihrer Umgebung egal. Schweine können ohnehin nicht gut sehen. Aber ausgezeichnet riechen. In kleinen Grüppchen schwärmen die rosafarbenen Tiere mit den schwarzen Hintern und schwarzen Köpfen aus und graben auf der Suche nach Leckerbissen mit ihren kräftigen Rüsseln die Erde um. Auf und im Boden ist zu finden, worauf sie Appetit haben: Gras, Wurzeln, Eicheln, Kräuter und Beeren.

„Im Gegensatz zu hochgezüchteten modernen Rassen kann die alte Landrasse Raufutter gut verwerten“

Rudolf Bühler, Bio-Landwirt

Ein Tag im „Schweineparadies“. So nennt es Rudolf Bühler, Bio-Landwirt und Retter der alten Landrasse der Schwäbisch-Hällischen Schweine. Ihm gehören die sechs Hektar große Weide und die Tiere, die hier bis in den späten November zuhause sind. Bühler hat Recht. In Freiheit können sie sich so verhalten, wie es Schweine gerne tun. Lange und ausgiebig schlafen beispielsweise. Darin sind sie dem Menschen ähnlich. Wie in so vielem. Und darin, dass sie gerne und viel futtern. Rudolf Bühler erklärt: „Im Unterschied zu hochgezüchteten modernen Rassen kann die alte Landrasse Raufutter gut verwerten.“

Darauf sind die Weideschweine freilich nicht alleine angewiesen. Unterhalb der sechs Holzhütten steht das grün gestrichene Futtersilo. Hier versammelt sich die Bande um die Mittagszeit zum Mahl. In die Tröge rieseln regional angebauter, gentechnisch unveränderter Gerste- und Weizenschrot sowie – die Lieblingsspeise von Schweinen – getrocknete und geschrotete Eicheln. Die haben fleißige Schulklassen und Rentnergruppen zuvor im Herbst in den Wäldern gesammelt und gegen ein kleines Entgelt bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall abgeliefert.

Beim Futtern wippen im Takt die langen, über den kleinen Augen liegenden Schlappohren. Zwischendurch nimmt immer wieder eines der Tiere einen Schluck Wasser, das auf Rüsseldruck aus einem Spender fließt. Schweine sind nämlich Vieltrinker. Anschließend lassen sie sich eng aneinander geschmiegt zu einem kleinen Verdauungsschlaf in einer der großen Holzhütten nieder, die sie vor der Witterung schützen. „Schweine sind vor allem morgens und gegen Abend aktiv“, erklärt Rudolf Bühler. Der Landwirt schaut täglich nach den Tieren, überprüft die Futter- wie die Wasserzufuhr und ob der Doppelzaun unversehrt ist. Der ist Vorschrift. Eine einzige Absperrung könnten die Schweine untergraben und damit in Kontakt mit möglichen Krankheitserregern wilder Verwandter kommen.

Holzhütten mit Stroheinstreu schützen die Schweine vor der Witterung.

Ursprünglich lebten die Vorfahren der heutigen Hausschweine auf der Weide oder in Wäldern. Diese Haltung, Hute genannt, hat bis heute etwa in Spanien Tradition, wo der berühmte Schinken Pata Negra erzeugt wird. Auch in Hohenlohe trieben noch bis in die 1940er Jahre die Hirten ihre Schweine über die abgeernteten Getreidefelder und in die Eichen- und Buchenwälder. Diese Tradition haben Bühler und Kollegen vor einigen Jahren wiederbelebt.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.